Schon ESG Konform? – Ein Ranking für mehr Nachhaltigkeit

„Und? Schon ESG-Konform?“ Eine Frage mit der sich Unternehmen zunehmend beschäftigen müssen. Denn besonders seit der Pariser Klimakonferenz im Jahr 2015 erfuhr das Thema Nachhaltigkeit Aufwind. Nicht nur Kleinanleger, auch institutionelle Großinvestoren legen vermehrt Wert auf Umweltschutz, soziales Engagement und faire Unternehmensführung.  

Allein in Deutschland, Österreich und der Schweiz wurden laut dem Forum nachhaltige Geldanlagen im letzten Jahr 280 Milliarden Euro in nachhaltigen Investments angelegt. Das Problem: Vor der Einführung der ESG war es für Investoren noch schwer zu beurteilen, wie nachhaltig Immobilienunternehmen, Banken und Entitäten, die auf der Suche nach frischem Kapital waren, wirklich sind. 
Dies ändert sich mit der ESG, dem standardisierten Klassifizierungssystem der EU, um mehr Transparenz mit einem leicht verständlichen Ranking zu schaffen sowie mehr Kapital in Richtung nachhaltiger Zukunft zu lenken.  

Welche Maßnahmen Unternehmen ergreifen müssen und welche Kriterien zur Erstellung des Nachhaltigkeitsrankings ausschlaggebend sind, das erfahren Sie in diesem Beitrag. 

ESG-konform? Was sind die expliziten Kriterien?

Die ESG steht für Environment, Social , und Governance oder zu Deutsch: Umwelt, Soziales und Unternehmensführung. Diese drei Teilbereiche bilden mit ihren eigenen Kriterien eine Bewertungsgrundlage, die so die Nachhaltigkeit eines Unternehmens beurteilen sollen.  

Das konkrete Ziel der EU sieht vor, den CO2-Ausstoß bis 2050 um 80 % und den Energieverbrauch um 50 % zu reduzierenden. Kein Wunder also, dass der Fokus besonders auf dem “E“ für Environment bzw. Umwelt liegt. Mit den anderen zwei Bereichen Social (Sozial) und Governnace (Unternehmensführung) sollen neben rein ökologischen Kriterien auch Anreize zur Verbesserung ethischer Maßnahmen innerhalb der Firmenstrukturen als auch deren gesellschaftlichen Auswirkungen geschaffen werden. 

Beispiel ESG Kriterien

Werden zum Beispiel durch gezielte Maßnahmen wie der Verbesserung der Mitarbeiterzufriedenheit durch Proptechs oder Senkung des CO2 Ausstoßes den ESG- Kriterien nachgekommen, führt dies letztlich zu einer besseren Bewertung.  Die Chancen steigen somit, mehr Kapital durch Investoren anzuziehen, die mehr Wert auf Nachhaltigkeit legen wie zum Beispiel: Kirchen, staatlichen Geldgebern, Rückversicherern und Kleinanlegern anzuziehen, Allein in den Jahren 2017 bis 2019 sind nachhaltige Investitionen und Mandate privater und institutioneller Geldgeber durchschnittlich um 45,5 % gestiegen.

Grafik: Wachstum nachhaltige Fonds & Mandate in Deutschland
(in Milliarden Euro)
Grafik erhöhung nachhaltiger investments 2017 bis 20119
Daten: Forum Nachhaltige Geldanlagen


1. „E“ für Environment 

Das Weltwirtschaftsforum WEF sah 2019 Klimaprobleme als drei der fünf größten Risiken für die Welt. Also konsequent, dass die EU mit den vorgegebenen ESG- Kriterien und deren Umsetzung Investition in nachhaltige Anlagen ebnen möchte.  

 Dabei ist der effiziente Umgang mit Ressourcen und Emissionen ein besonders ausschlaggebender Faktor, der von vielen Unternehmen und Staaten leider noch unterschätzt wird. Obwohl folgende Maßnahmen neben mehr Zukunftssicherheit auch das Image verbessern würden: 

  • Achtsamkeit für umweltfreundliches und energieeffizientes Immobilien- & Facility-Management z.B durch Installation von Proptechs und anderen Technologien  
  • Umsetzung gezielter Gegenstrategien zur Bekämpfung des Klimawandels  
  • Gezielte Minimierung des ökologischen Fußabdrucks durch Reduzierung von Emissionen und Nutzung erneuerbaren Energien   
  • Sorgsame und umweltfreundliche Abwasserentsorgung sowie Umsetzung für Maßnahmen effizienten Wasserhaushalts   
  • Verkürzung der Lieferwege  
  • Vertrieb von ökologisch vertretbaren Eigenprodukten des gesamten Produktportfolios 


2.  „S“ für Social 

Aspekte wie Verbot von Kinderarbeit, Arbeitsrechte und Nicht-Diskriminierung sind seit dem Jahr 1999 Bestandteil der UN Global Compact. Auch wenn diese Prinzipien den teilnehmenden Unternehmen bereits Vorgaben geben, werden mit der ESG die Handlungsspielräume noch etwas verschärft. ESG-Konform zu sein, heißt auch, soziale Verantwortung zu übernehmen. Unternehmen die also folgenden Punkte gezielt umsetzen, können so ihr Ranking aktiv verbessern: 

  • Folgen dem Verbot von Kinder- und Zwangsarbeit 
  • Übernehmen Verantwortung für Auswahl der eigenen Klientel, d.h. keine Zusammenarbeit mit Diktaturen oder autoritären Regierungen  
  • Achten von Menschenrechten, sowie der Menschenwürde  
  • Bezahlen faire Löhne 
  • Beachten auch die Bedingungen bei Subunternehmen sowie Lieferanten und wählen diese nach den eignen Nachhaltigkeitsstandards aus
  • Hinterfragen und verbessern die sozialen Auswirkungen des eigenen Produktportfolios
  • Bieten mehr als nur die gesetzlich vorgeschriebenen Gesundheit- und Sicherheitsstandards  
  • Geben Chancen zur Fortbildung und Weiterentwicklung der eigenen Mitarbeiter
  • Maßnahmen die den Arbeitsalltag der Beschäftigten und Arbeitsplatz verbessern, beispielsweise Bereitstellen von firmeneigenen Fahrrädern


3.   „G“ für Governance 

Auch im Jahr 2021 ist sind Themen rund um undurchsichtige Steuerstrukturen, Diversität in Führungspositionen, Korruption und der Wunsch nach nachhaltigeren Unternehmensführungen heiß diskutiert. Trotz vieler staatlicher Regularien und besserer Firmenimages sind diese nicht Teil der Prioritätenlisten mancher Unternehmen. Um weitere Anreize zur Verbesserung ethischen Verhaltens gegenüber Gesellschaft sowie firmeninternen Strukturen zu schaffen, wurden durch den Bereich “G“ Maßnahmen für Unternehmen definiert, bei denen vor allem Transparenz und Fairness eine übergeordnete Rolle spielt. Diese beinhalten: 

  • Transparenter und akkurater Umgang mit Steuern
  • Umsetzung gezielter Maßnahmen für mehr Diversität und Chancengleichheit
  • Generelle Offenheit und Transparenz 
  • Keine negativen gesellschaftlichen Auswirkungen des gesamten Produktportfolios
  • Förderung von unabhängigen Kontrollorganen durch wie Aufsichtsräten oder Gremien
  • Vermeidung von rechtswidrigen Wettbewerbs-Praktiken
  • Klares Befolgen von fairen Vergütungsrichtlinien

 
Durch wen werden die ESG-Rankings erstellt? 
 

Ob ein Unternehmen ESG-Konform ist oder nicht, wird bislang anhand der vorgegebenen ESG-Kriterien durch Ranking-Agenturen bewertet. Einige der zwei bekanntesten sind beispielsweise ISS Oekom und Sustainalytics. Demjenigen, der sich mehr mit der Thematik beschäftigt, werden auch Namen wie MSCI, Imug Rating, Ecovadis oder Robecosam ebenfalls geläufig sein.

Marktführer unter den generellen Ranking-Agenturen wie S&P und Moody’s wollen an dem neu geschaffenen Markt der ESG-Zertifizierungen ebenfalls teilhaben und haben eigene ESG-Rating Optionen seit 2020 auf den Weg gebracht. 
 
Dank des (noch) fehlenden globalen Standards haben Agenturen ihre eigenen Ratingmodelle entwickelt, welche sich teilweise gravierend voneinander unterscheiden können.Aus diesem Grund gibt es inzwischen einzelne Versuche, die verschiedenen Aspekte der ESG auf einen gemeinsamen Standard zu bringen. So haben die Global Reporting Initiative (GRI) Richtlinien zu Standards von Berichterstattung und das Sustainable Accounting Standards Board (SASB) die Materiality Map zur einheitlichen Bewertung geschaffen. 

Wie werden die einzelnen Faktoren zur ESG-Konfirmität bewertet?

Auch wenn kein allgemeingültiger Standard bei der Bewertung der einzelnen Faktoren durch die Rating- Agenturen befolgt wird, so sind ähnliche Herangehensweisen dennoch der Fall.  

Um die Aussagekräftigkeit des Rankings zu erhöhen, wird nach Branchen unterschiedlich gewichtet. So ist klar, dass der Bereich des “E“(Umwelt) bei Energiekonzernen oder Immobilienfirmen weitaus ausschlaggebender ist als bei Banken, welche eher mit einer positiven Personalstruktur oder Anti-Korruptions-Maßnahmen im Bereich “S“ und “G“ punkten könnten. 
 
Allem in allem geht es um die Frage, wie das Thema Nachhaltigkeit in Bezug zur ESG überhaupt definiert werden kann? Ist der reine CO2-Ausstoß eines Unternehmens bereits ausreichend, um auf Klimaneutralität schließen zu können?   

Ohne einen allgemein bindenden Standard hängt dies allein von den Rating-Agenturen ab. Neben den Nachweisen, welche die einzelnen Unternehmen selbst vorlegen können, stehen den Agenturen eine Vielzahl an externen Daten von Non-Profit Organisationen, staatlichen Organisationen und alternative Datenlieferanten Verfügung, die in die Evaluation mit einfließen. Die Möglichkeit, auf dem Papier fernab der Realität mit Nachhaltigkeit zu überzeugen und mit Unwahrheiten das Ranking zu beeinflussen, ist daher schwierig. Was vielen Unternehmen nicht bewusst ist, sie werden auch ohne direkten Auftrag anhand von zur Verfügung stehenden Daten bewertet. 
 

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